Festbuch: Erstes Deutsches Arbeiter Sängerbundesfest, Hannover, 1928

Auszüge

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Das Erste Deutsche Arbeiter Sängerbundesfest (1) im Juni 1928 in Hannover war ein Großereignis, über das genaue Zahlen vorliegen. Laut Verzeichnis der am Sängerbundesfest teilnehmenden Gaue, Anzahl der Vereine … und Übersicht über die Quertierseinteilung waren es 1841 Vereine und 44 173 Sängerinnen und Sänger. Allein 6636 kamen aus dem Gau Hannover des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes (DAS), wobei vermutlich ein hoher Prozentsatz davon wiederum aus Linden kam. Die meisten öffentlichen Konzerte und Proben fanden allerdings in Hannover statt, in Linden gab es wenige Konzerte, z.B. auf dem Lindener Markt und am Pfarrlandplatz. Über das Werbekonzert auf dem Lindener Marktplatz  am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr (!) berichtete der Volkswille in seiner Sonntagsausgabe von 17. Juni:
Immer wieder tönten Beifallsrufe und Händeklatschen der vielen Zuhörer über den Platz und baten um eine Zugabe. Die Schupo hatte hier alle Hände voll zu tun, um den Platz von den andrängenden Zuhörern für die Sänger freizuhalten. Aber auch hier verlief alles mustergültig. Gegen 9 1/2 Uhr trafen sich die verschiedenen Gruppen und Vereine aus Linden in der Minister-Stüve-Straße und marschierten unter dem Vorantritt zweier Musikkapellen im geschlossenen Zuge, geleitet von den Arbeitersportlern und berittener Schupo, zum Stadion, wo der Zug, der unterwegs fast eine doppelt so große Zahl Mitläufer mitführte, nach einstündigem Marsch eintraf. (2)

Das eigens für das dreitägige Treffen herausgegebene Festbuch mit seinen 160 Seiten wurde vom Hannoveraner Sangesbruder August Kirch verfasst. In seinem Geleitwort bedankt er sich bei allen, „die aus dem ganzen Reiche herbeigeeilt sind, das Kulturbanner des D.A.S. mit entfalten zu helfen, der in seinen Gesinnungen und Bestrebungen sich eins weiß mit dem deutschen Volkskörper, mit der deutschen Arbeiterschaft, um deren Wirken und Streben harmonisch zu unterstützen, um im Staats- und Wirtschaftswesen als gleichberechtigter Faktor an der Entwicklung teilzunehmen“. Ebenso pathetisch das von ihm zitierte Motto „Wir waren, wir sind und wir werden bleiben die Feldmusik der deutschen Arbeiterschaft.“

Bei der Aufzählung der Vorzüge Hannovers als Austragungsstadt des Sängerbundfestes führt Kirch auch die Lindener Gesangsszene an:
Hannover ist nicht lediglich Groß- oder Industriestadt, sondern auch Kunst- und Gesangsstadt. Zahlreiche Gesangvereine in Hannover-Linden wetteifern friedlich nebeneinander und legen Zeugnis davon ab, daß das deutsche Lied, insonderheit das Freiheits- und Volkslied, in der Feststadt mit großer Begeisterung und Liebe gepflegt wird. (S. 47)

Die hier wiedergegebenen Auszüge aus der Festschrift:

  • Titelei, Geleitwort (A.K.)
  • Uthmann (19-21)
  • Die Bedeutung und Entwicklung unserer Volkschöre von Ernst Zander, Berlin (55 -63)
  • Der Gau Hannover innerhalb des DAS (119-123)
  • Inhalt (128)

Hannover als Industriestadt / ausgewählte Annoncen
(WE)
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(1) Die Tradition der großen allgemeinen Sängerfeste reichen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es waren in der Regel Männerchöre, die sich zu Sängerbünden zusammenschlossen und überregionale Treffen organisierten. Eine sozialdemokratisch geprägte Arbeitersängerbewegung entwickelte sich erst nach dem Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie (sog. Sozialistengesetz).
Gemischte Chöre oder reine Frauenchöre gab es in der Arbeitersängerbewegung erst um 1900. Im bürgerlichen Chorwesen vollzog sich die Entwicklung zu gemischten Chören viel später, in der Regel waren Nachwuchsprobleme der schlichte Grund.  
Der Deutscher-Arbeiter-Sängerbund, der mehrere Vorläuferorganisationen hatte, wurde 1908 gegründet. Zwanzig Jahre später konnte das Erste Deutsche Arbeiter-Sägerbundfest gefeiert werden. Hannover war vier Jahre zuvor auch Austragungsort des Deutschen Sängerbundfestes des bürgerlichen Deutschen Sängerbundes gewesen.

(2) Freizeitheim Linden (Hg.), Unsere Geschichte, unsere Lieder, Linden o.J. [1983 ?], S. 52

Urheber: Deutscher Arbeitersängerbund; Kirch, August u.a.
Lizenz: CC0
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 1928
Ort: Lindener Markt ; Pfarrlandplatz
Personen: Uthmann, Gustav Adolf