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Interkulturelle Vielfalt

Interkulturelle Vielfalt in Linden-Limmer

 

von Wolfgang Becker

Wandbild Allerweg, 2015   Foto: Wolfgang Becker

Linden-Limmer ist ein bunter Stadtteil. Das gilt auch für seine Bevölkerung. Der Stadtbezirk 10 hat insgesamt 45.111 Einwohner. Er besteht aus den Stadtteilen Limmer (6.205 Einwohner), Linden-Mitte (12.367 Einwohner), Linden-Nord (16.442 Einwohner) und Linden-Süd (10.097 Einwohner). Zum Stand Anfang 2016 haben laut städtischer Statistik 31,3 Prozent der Menschen in Linden-Limmer einen Migrationshintergrund. Das ist fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung mit Hauptwohnsitz. Kein Wunder, das schon in den 1970er Jahren ein griechisch-stämmiger Junge namens Kostas Liaskos zum ersten Lindener Butjer gewählt wurde. Doch leider existiert die Geschichte der Migration in Linden nur in erzählten Geschichten der migrantischen Zeitzeugen. Sie wird weder erforscht noch festgehalten.

Als in den 1960er Jahren die ersten „Gastarbeiter“ einzogen, war das zunächst kein Problem. Italiener, Spanier, Griechen und Jugoslawen integrierten sich schnell. Aber als Ende 1976 in der Bürgerinitiative Linden-Süd (UBI) die Diskussion über die sogenannte „Ausländerproblematik“ beginnt, geht es vor allem um türkisch-stämmige Arbeitsemigranten und deren Familien. Bei denen bestehe keine Bereitschaft zur Integration, heißt es. Während die UBI schließlich im Juli 1978 von der Stadtverwaltung eine „Zuzugssperre“ ins Sanierungsgebiet und eine Verringerung des Ausländeranteils von seinerzeit 25 auf 10 % fordert, verteilen NPD-Leute Flugblätter zum „Ausländerstopp“.

Den größten Anteil unter den Migranten stellen heute die türkisch-stämmigen. Sie leben, zum Teil schon in der dritten Generation im Stadtbezirk. Wie integriert sind diese „Aus-Lindener“ heute wirklich, fühlen sie sich hier zu Hause? Wie ist ihr Lebensgefühl in Linden-Limmer und wie das Verhältnis zu ihren Nachbarn? Es gibt zwar eine Fülle migrantischer Initiativen, Kultureinrichtungen, Geschäfte, Läden und Restaurants. Aber es ist eine Geschichte des Zusammenlebens, die mit wenigen Ausnahmen schlecht dokumentiert ist. Ansporn vielleicht gerade für ausländische Mitbürger, das Digitale Stadtteilarchiv als Ort der Präsentation eigener Kultur zu nutzen?

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