Festschrift: Zum 200jährigen Jubiläum der St. Martins-Kirche in Hannover-Linden, 1928

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Die bei Wilhelm Karcher in Hannover-Linden gedruckte Festschrift zum 200jährigen Jubiläum der St. Martins-Kirche in Hannover-Linden erschien am 11. November 1928. Das Jubiläumsdatum bezieht sich auf die im Jahre 1728 am Fuße des Lindener Berges neu erbaute Kirche. Die vollkommen baufällige Vorläuferkirche , die seit dem 13. Jahrhundert an gleicher Stelle stand, wurde ein Jahr zuvor, 1727, abgerissen.

Die Festschrift besteht im wesentlichen aus einem 25-seitigen Aufsatz zur Geschichte der St. Martinsgemeinde von Rektor A[lbert] Asche, den Erinnerungen von E. A. Crusius (von 1886 - 1924 Pastor an St. Martin) und anderer Pastoren sowie aus einer Übersicht über die Vereine der Martinsgemeinde.

Rektor A. Asche [1] holt bei seiner Geschichte der St. Martinsgemeinde (Festschrift S. 3-28) sehr weit aus, er beginnt mit der Zeit von Karl d. Großen. Ein Drittel seines Aufsatzes widmet Asche der Zeit vor Einführung der Reformation in Linden (1538). Nach einem Exkurs über die Glocke (S. 12 -14) befasst sich der Autor mit den 26 Geistlichen („Catalogus Pastorum Lindensium“), die von der Reformation bis zum Neubau der Kirche in Linden tätig waren. Am Rande erwähnt er die Hexenprozesse (S. 17) „mit den scheußlichen Foltern und die Verbrennungen der als Hexen verdächtigten Frauen.“   Er berichtet, dass am 14. März 1590 die „alte Holtensche von Linden“ in Wolfenbüttel als Hexe verbrannt worden sei.

 Asche schildert ausführlich, wie die Gelder zum Bau der neuen Kirche aufgebracht wurden, teils durch - modern ausgedrückt - Sponsoren, teils durch eine große Opferbereitschaft der Bevölkerung, die eigentlich nichts zum Spenden übrig hatte. Das Geld reichte für einen notdürftigen Kirchenbau, der Turm konnte nur im Unterbau ausgeführt werden.  Fast 100 Jahre dauerte der beklagenswerte Zustand, und die Kirche drohte zu verfallen. Erst nach Ende der Franzosenzeit trat Besserung ein. Der Kirchturm musste noch länger auf Vollendung warten. Nach Plänen des Architekten Conrad Wilhelm Hase wurde der Turm erst in den Jahren 1852-1855 zu Ende gebaut (Richtfest am 27. Juli 1855). Die ursprünglich von Hase veranschlagten Baukosten von 6500 Talern wurden erheblich überschritten, die Abschlussrechnung belief sich auf 10 095 Taler, 17 Groschen und 6 Pfennig. Asche: „Wahrlich, eine recht erhebliche Überschreitung des Voranschlags!“ (S. 21)

Zu den Sponsoren zählten Georg Egestorff, König Georg V., die Königliche Regierung, die Klosterkammer und die Stadt Hannover. Stattliche 1500 Taler wurden durch Haussammlungen aufgebracht.

Am Ende seines Aufsatzes (S. 22 - 26) befasst sich Asche mit der Schulsituation in Linden. „In einem Aufsatze, der die Lindener Kirche zum Gegenstand hat, muß auch die Lindener Schule erwähnt werden.“ (S. 22) Der Autor bringt viele Informationen zum Schulwesen von der Katechismusschule unter geistlicher Leitung in der Zeit nach der Reformation bis zur Schulsituation in der zweiten Hälfte de 19. Jahrhunderts.

In den anschließenden Erinnerungen an St. Martin (S. 29 - 34) kommen die Geistlichen Crusius, Lemmermann, Dahlmann und Meyer zu Wort.

Am Ende der Schrift gibt es auf S. 35 eine tabellarische Übersicht über Vereine der Martinsgemeinde.  Unter den 12 angeführten Vereinen sind die drei mitgliederstärksten der 1921 gegründete Elternbund mit 200 Mitgliedern, der 1898 gegründete Arbeiterinnenverein mit 85 und der Blaukreuzverein (1908 gegründet) mit 80 Mitgliedern. Auffällig ist der Hohe Anteil an Vereinen für Frauen (Arbeiterinnenverein, Frauenverein, Jungmädchenbund, Jungmädchen-Kreis). Es gibt gleich zwei Anti-Sucht-Vereine, die 1902 gegründeten Guttempler und den 1908 gegründeten Blaukreuzverein.

(WE)

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[1] Albert Asche (1869-1958) war ab 1891 in der selbständigen Stadt Linden als Lehrer an der Knabenbürgerschule I tätig. Von 1926-1932 leitete er als Rektor die Salzmannschule (seinerzeit eine Knabenschule, heute Grundschule). Der von Albert Asche vor dem Ersten Weltkrieg begründete und später mehrfach bearbeitete und neu aufgelegte Heimatatlas Hannover wurde in den Schulen Hannovers und Lindens noch bis in die 1960er Jahre benutzt.

Urheber: Asche, A. u.a.
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 11.11.1928