Ansichtskarte: Katholisches Arbeitervereinshaus Hannover-Linden, 1939

gelaufen 27.12.1939

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Die Bildseite der Ansichtskarte vom Katholischen Arbeitervereinshaus Hannover-Linden zeigt zwei Fotos. Das obere Foto vermittelt einen guten Eindruck von der Größe des Saales. Trotz der aufgebauten Tischreihen ist noch viel Platz im Vordergrund. Die Bühne verweist auf die Nutzung als Konzert- und Theatersaal. Hier fanden auch die Proben des Katholischen Männergesangsvereins statt.

Das untere Foto gibt Einblick in den Schankraum (hier Wirtschaftsraum genannt) mit Theke, der für die geselligen Zusammenkünfte kleinerer Gruppen von Vereinsmitgliedern eine wichtige Rolle spielte. Rechts unten im Bild erkennt man den Ofen.

Zum Katholische Vereinshaus (Volksmund: „Katholischer Bahnhof“):

Mit der Zuwanderung von Arbeitskräften im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts stieg der Anteil der katholischen Bevölkerung in Linden. 1874 wurde St. Godehard als erste katholische Kirche in Linden geweiht. Wenige Jahre später schlossen sich Arbeiter zum Katholischen Verein für soziale Bestrebungen zusammen (gegründet 1879). Die zweite katholische Kirche in Linden, St. Benno, war bereits im Bau, als 1904 für den Arbeiterverein „Das neue Katholische Arbeitervereinshaus zu Linden“ auf dem Hinterhofgelände in der Concordiastraße 14 (heute Konkordiastraße 14 A) erbaut wurde. Ein Teil der Baukosten wurde durch Spenden der katholischen Gemeindemitglieder aufgebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr der Katholische Bahnhof unterschiedliche Nutzungen. Zum einen konnten dort – wie sich Horst Deuker erinnert – Gottesdienste abgehalten werden, da die Kirche St. Godehard 1943 zerstört worden war. Zum anderen wurde der große Saal wohl auch für Tagungen politischer Gruppen genutzt. Angeblich soll – wie immer wieder kolportiert wird – hier 1946 auch der Grundstein für die DGB-Einheitsgewerkschaften gelegt worden sein. Das trifft allerdings wohl eher auf den Sitz des Fabrikarbeiterverbands am Rathenauplatz/Ecke Sophienstraße zu. Die Gründung des DGB erfolgte erst im Oktober 1949.

Allerdings kann der Katholische Bahnhof als Wiege der hannoverschen Schauspielausbildung angesehen werden, denn diese Räumlichkeiten nutzte Hans Günther von Klöden nach Kriegende für die Ausbildung von Schauspielern. Diese setzte von Klöden wenig später an den Kammerspielen fort, dann an der Musikakademie, aus der die Musikhochschule mit eigener Schauspielabteilung hervorgegangen ist.

(JW/ WE)

 

Zum „Katholischen Bahnhof“ noch eine kleiner Nachtrag von Horst Bohne:

Ich habe ca. 1946/47 dort meinen Abschlussball von der Tanzstunde „gefeiert". Neben dem offiziell angebotenen „heißen Kaltgetränk oder kaltem Heißgetränk" (etwas gesüßtes und rötlich gefärbtes Wasser, natürlich alkoholfrei) haben wir Jungen uns auf der Straße nur mit schwarz gebranntem Rübenschnaps etwas in Stimmung bringen können. Der Tanzlehrer musste uns dann wieder in den Saal zurückscheuchen, damit wir uns den Schönen des Abends widmen sollten. - War mir gar nicht mehr bewusst, wie groß der Saal damals war.

 

 

Urheber: Verlag Buchhandlung P. Kleineberg, Hannover-L.
Sammlung: Wessel
Zeitliche Einordnung: 27.12.1939
Ort: Konkordiastraße 14A
Personen: Klöden, Hans Günther von